"Mit Gestaltungskompetenz wird das nach vorne weisende Vermögen bezeichnet, die Zukunft von Gemeinschaften, in denen man lebt, in aktiver Teilhabe im Sinne nachhaltiger Entwicklung modifizieren und modellieren zu können."
(aus: Gerhard de Haan/ Dorothee Harenberg: Bildung für eine nachhaltige Entwicklung. Gutachten zum Programm. Materialien zur Bildungsplanung und Forschungsförderung, Heft 72. Hrsg.: BLK für Bildungsplanung und Forschungsförderung, 1999).
Das Bildungskonzept der Gestaltungskompetenz umfasst verschiedene Teilkompetenzen:
- Vorausschauendes Denken, Umgang mit Zukunftsszenarien und Entwürfen: mit Unsicherheit umgehen können; Chancen und Risiken von aktuellen und künftigen Entwicklungen einschätzen können; Kreativität, Phantasie, Imaginationsvermögen; Phänomene in ihrem weltweiten Kontext erfassen können; Neu-Denken, Quer-Denken, Denken in Alternativen.
- Kompetenz, interdisziplinär zu arbeiten und verschiedene Blickwinkel zu vernetzen: Erkennen und Verstehen von Systemzusammenhängen; Umgang mit Komplexität; vernetztes Denken; Problemorientierung.
- Prozesse planen und umsetzen können, sich vernetzen können: Fähigkeit, gedachte Veränderungen auch in Handeln umzusetzen; planen können; Netzwerke bilden; Nebenfolgen und Überraschungseffekte mitdenken;
- Fähigkeit zu Empathie, Mitleid und Solidarität: Nach globaler Gerechtigkeit streben wollen; globales "Wir-Gefühl"; Interesse an Menschen in anderen Weltregionen und Bereitschaft voneinander zu lernen.
- Verständigungskompetenz und Fähigkeit zur Kooperation: gemeinsam Lösungen diskutieren und erarbeiten; Konflikte aushalten; Kommunikationsfähigkeit; transkulturelle Verständigung; Konsensbildung.
- Kompetenz, sich und andere motivieren zu können: Ausdauer; Frustrationstoleranz; Chancen zur Teilhabe erkennen und wahrnehmen wollen; auf andere zugehen.
- Kompetenz zur distanzierten Reflexion über individuelle und kulturelle Leitbilder: eigene Wünsche erkennen und reflektieren; das eigene Verhalten als kulturell bedingt und veränderbar wahrnehmen können; Auseinandersetzung mit kulturellen Leitbildern.
Gestaltungskompetenz lässt sich gut in Form von konkreten (fächerübergreifenden) Projekten und Aktionen trainieren (Zukunftswerkstätten, Planspiele, Solidaritätsaktionen, Internet- und E-Mail-Projekte, "nachhaltige" Werbeaktionen etc.)
Aber auch in den "normalen" Schulalltag lassen sich entsprechende Methoden einbauen: Phantasiereisen, Kreatives Schreiben, Ausstellungen, Ratgeber schreiben, szenisches Spiel, "Philosophieren", Selbsterfahrungs- und Wahrnehmungsspiele. Schließlich können die Schülerinnen und Schüler mithilfe von Moderationsmethoden an Entscheidungsprozessen beteiligt werden (z.B. Metaplan, Kartenabfragen).
Literaturtipp
Dorothee Harenberg/Gerhard de Haan: InfoBox Kompetenzen. Download unter www.blk21.de.

