Der Plan TAYAK

Sisa Ñampi: die lebende Begrenzung

Das Ziel dieses Teilprojektes ist es, das Territorium mit einer erkennbaren Linie von blühenden Bäumen zu begrenzen. Dies bezweckt die Sichtbarkeit der Grenze sowohl vom Boden als auch aus der Luft, und Ölfirmen und Militärgruppen können somit nicht mehr „unbeabsichtigt“ in das Gebiet Sarayakus eindringen.

Ein ein Meter breiter Pfad soll das gesamte Gebiet umrunden. An bestimmten Stellen auf der Linie werden Pflanzpunkte eingerichtet, auf welchen verschiedene blühende und Früchte tragende Bäume in konzentrischen Kreisen gepflanzt werden. Dadurch wird gewährleistet, dass stets mindestens eine Baumart in Blüte steht und der Pflanzpunkt immer auch durch Farbe sichtbar ist.

Hierfür wurden Baumschulen angelegt, in denen die verschiedenen Baumarten kultiviert werden. Sind die Setzlinge kräftig genug, bringen die Kichwa die jungen Bäume an die Pflanzpunkte, zwei Tagesmärsche von den Dörfern entfernt. Dort wird eine Lichtung auf 30 Meter Durchmesser vergrößert, um den jungen Bäumen den Start zu erleichtern.

Bereits bepflanzte Punkte werden regelmäßig besucht, um die Setzlinge von Farnen und Unkraut zu befreien oder um beschädigte Pflanzen zu ersetzen.

Um die Transportwege zu verkürzen und die abgestorbenen Baumsetzlinge schnell ersetzen zu können, sind nun an den Pflanzpunkten kleine Baumschulen errichtet worden.

Die Lebens-Linie steht als Symbol für die Rechte der Indigenen auf ihrem Territorium, für ihr historisches Erbe und für den Erhalt der kulturellen Vielfalt.

Sasi Wasi: Förderung der traditionellen Medizin

Die Stärkung der traditionellen Medizin trägt dazu bei, die medizinische Versorgung Sarayakus sicherzustellen. Hierzu wurde der Bau des Gesundheitszentrums durch die Zusammenarbeit aller Mitglieder der Vereinigung „ATAYAK“ realisiert. Das Zentrum ist ein Ort für die Anwendung traditioneller Heilungsmethoden, die Weitergabe der schamanischen Traditionen, aber auch Lagerraum der medizinischen Materialien und Samen der Heilpflanzen. In den gemeinschaftlichen Arbeitseinsätzen (mingas) entstand die Konstruktion, im Stil der traditionellen Häuser, aus Baumstangen und Palmblättern. Geplant sind noch der Bau der Außenwand aus Palmmaterial, die Anlage von Gärten mit medizinischen Pflanzen und die Fertigstellung von Teilen der Innenausstattung (Elektrizität, Betten, Moskitonetze).

Tayak Wasi: Förderung, Erhalt und Weitergabe des traditionellen Wissens

Mit der Weitergabe der traditionellen Bräuche bewahren die Menschen von Sarayaku das Wissen über die nachhaltige Nutzung des Regenwaldes für zukünftige Generationen. Dies macht sie zu wichtigen Verbündeten im Tropenwaldschutz.

Ein Bildungszentrum wurde errichtet, in dem der Schulunterricht für die Kinder stattfindet, der aber auch Raum für regelmäßige Versammlungen bietet.

Darüber hinaus konnten Schreibpulte für die Kinder, Möbel für die kleine Schulbücherei und zwei Computer angeschafft werden. Die Installation eines Solarsystems trägt dazu bei, dass umweltschonend Energie gewonnen wird, die dem Dorf zur Verfügung steht und mit der die Computer betrieben werden können.

Das zweisprachige Zentrum zur Weitergabe von traditionellem Wissen der Ahnen hat inzwischen seine Schülerzahl deutlich vergrößern können. Die Schüler sind sehr daran interessiert, die Geschichte und Identität der Kichwa wieder zu entdecken.

Sacha Ruya: Einrichtung einer Baumschule/ eines botanischen Gartens

In der Baumschule werden vor allem einheimische Arten angepflanzt, die als Holz- oder Fruchtlieferanten bzw. als Zier- und Medizinpflanzen dienen können. Des Weiteren werden hier die Setzlinge für die „Lebenslinie“ gezogen. Wichtige Arten können so einerseits erhalten und vermehrt werden, andererseits können mit den Setzlingen degradierte Flächen wiederaufgeforstet werden. So wird der Wald nicht nur geschützt, sondern auch wieder hergestellt. Ein wichtiger Bestandteil der Weitergabe des traditionellen Wissens ist die Integration des Herbariums in den Schulunterricht. Für die Zukunft ist auch ein Verkauf der Setzlinge an die Siedler in der Umgebung von Sarayaku geplant, um auch degradierte Flächen außerhalb ihres Landes wieder aufzuforsten.

Kiwcha-Mädchen mit Wollaffe