1992 hat die ecuadorianische Regierung den Kichwa-Indianern die Landrechte an Sarayaku offiziell zugesprochen. Nichtsdestotrotz teilte die Regierung 2003 große Teile des Regenwaldes in Blöcke und vergab Ölbohr-Konzessionen und Landnutzungsrechte an internationale Ölkonzerne. Das Gebiet Sarayaku, welches als „Ölförderblock 23“ ausgewiesen ist, darf offiziell nur mit Erlaubnis der Bevölkerung betreten werden. Sarayaku hat die Erdölsuche aber strikt untersagt. Doch trotz der Ablehnung der Kichwa wurde die Bohrlizenz an den argentinischen Konzern CGC (La Compañia General de Combustibles) überschrieben. Daraufhin deponierte der Konzern 1.400 kg Sprengstoff auf dem Gebiet der Gemeinde, um die Ölförderung zu starten.
Die Kichwa wehren sich mit friedlichen Mitteln gegen das Vorhaben der Ölförderung. Die ecuadorianische Regierung und der Ölkonzern reagierten in der Vergangenheit jedoch immer wieder auf die Widerstände der Indigenen mit Militäreinsätzen.
Daraufhin wandten sich Vertreter des Stammes an OroVerde und andere internationale Organisationen, um die weltweite Öffentlichkeit auf diese Problematik aufmerksam zu machen.
Durch internationale Unterstützung ist es der Gemeinde im Jahre 2004 gelungen, ihre Rechte vor dem Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof in Costa Rica bestätigen zu lassen. In dem vorläufigen Urteil wurde der ecuadorianische Staat dazu aufgefordert, Leben, Integrität und Freiheit des Volkes von Sarayaku zu schützen. Als Auswirkung des Gerichtentscheides wurden die Militärtruppen aus Sarayaku zurückgezogen. Ein endgültiges Urteil ist für Ende 2011 erwartet. Mehrmals wurde davor das Eindringen der Militärtruppen durch errichtete „Camps für Leben und Frieden“ verhindert. (In den Anfängen wurden die Probebohrungen des Erdölkonzerns vom Militär begleitet. Sarayaku hat friedlich Widerstand dagegen geleistet, in dem es die Wege und „Probebohrungsorte“ durch diese Camps blockiert hat.) Fünf Jahre später erfolgte die offizielle Ankündigung, dass der gelagerte Sprengstoff beseitigt wird.
Doch die Konzerne geben den Kampf nicht auf!
Immer wieder versucht eine Ölfirma, sich das Gebiet der Gemeinde anzueignen.
Anzeigen gegen einen Großteil der Dorfmitglieder Sarayakus sollen dazu beitragen den Widerstand der Dorfgemeinschaft zu brechen und Sarayakus öffentlichem Ansehen zu schaden. Mithilfe der Unterstützung der Dorfgründung Kutukachi, bestehend aus fremden Siedlern im Territorium von Sarayaku, bekommen sie die Zustimmung der neuen „lokalen Gemeinden“ zur Erdölförderung und untergraben dadurch die Integrität von Sarayaku.
Die Ölfirmen haben mit ihrer Taktik Erfolg. Ein ehemaliger Bürger Sarayakus hat einen Großteil seines Lebens außerhalb der Gemeinde verbracht und lange in den USA gelebt. Er arbeitete für einen Ölkonzern als Zuständiger für die Beziehungen zu den indigenen Gemeinden. Dies erweckt im öffentlichen Interesse die Vermutung, die Kichwa wären mit der Ölförderung auf ihrem Gebiet einverstanden. Diese fremden Siedler sabotieren zudem die Pflanzungen an der Lebenslinie, indem sie gepflanzte Bäume fällen. Auch verstießen sie gegen die Gesetze und Nutzungspläne des Gebietes, indem sie einen illegalen Flughafen und Häuser in einer geschützten Zone namens Chuyayaku im Norden des Territoriums bauten.
Die Region wird von den Einheimischen als purina und tambu genutzt. Purina bezieht sich auf ein Gebiet, das als Waldreservat gilt. Tambu bezeichnet Waldgärten, die nur zeitweise (insbesondere in den Schulferien) genutzt werden, um nach traditionellen Methoden Nahrungsmittel anzubauen und die Traditionen im nachhaltigen Umgang mit dem Wald an die Kinder weiterzugeben. Diese Gebiete gelten außerdem als Reservegebiete für Jagd und Fischfang für die Bewohner von Sarayaquillu und Kalikali, zwei Gemeinden von Sarayaku.
Die indigene Organisation Ecuadors CONAIE sowie die Mitglieder von Sarayaku werden von dem ehemaligen Sarayaku-Bürger immer wieder angeklagt, illegal tätig zu sein und ihn vertreiben zu wollen. Dabei hat er die Angebote Sarayakus nicht angenommen, in die Gemeinde zurückzukehren und die Gesetze des Kichwa zu befolgen. Seine „neue“ Gemeinde Kutukachi hat keine staatliche Anerkennung bekommen - wie er behauptet - und er ist sogar von einem ecuadorianischen Gericht verurteilt worden, weil er durch Falschaussagen eine Organisation gründen wollte.
Anfang 2010 kam es dann zu gewalttätigen Übergriffen gegen die Gemeindemitglieder von Sarayaku. Daraufhin kam es zu Vermittlungsgesprächen zwischen den Parteien, doch weigerte sich die fremde Gruppe, das Gebiet zu verlassen.
Für die Erdölkonzerne ist diese Verwirrung von Vorteil. So können die Kichwa von Sarayaku als kleine Gruppe dargestellt werden, die nur den Fortschritt im Land aufhalten wollen. Dies ist ein eindeutiger Versuch Sarayaku im öffentlichen Ansehen zu schaden und ihre Rechte immer weiter einzuschränken. In der Tat ist es für die Öffentlichkeit in Ecuador und auch für andere Außenstehende in dieser Situation schwer zu beurteilen, wo die Wahrheit liegt.
Die Einhaltung der Regelungen wird durch die traditionellen Autoritäten der Kichwa umgesetzt, die ein öffentliches indigenes Gerichtsverfahren eingeleitet haben, welches ihnen von der ecuadorianischen Verfassung garantiert wird.
Die in der Verfassung garantierten so genannten „kollektiven Rechte“ beziehen sich beispielsweise auf das Recht auf Territorium und das Recht auf eigene Entwicklung und Selbstbestimmung. Diese sind auch Bestandteil eines internationalen Übereinkommens, das den Schutz indigener Völker und deren Land zum Inhalt hat. Auch die ecuadorianische Regierung hat das Abkommen unterzeichnet. Dabei geht es darum, dass die Kichwa als Indigene schon lange vor der Besiedlung durch die Europäer in der Region lebten und deswegen besondere Rechte und Selbstbestimmung über ihr Territorium haben. Viele lokale Gemeindeverwaltungen kennen die Gesetze des Staates nicht genau und fördern so weiter das Eindringen von Unternehmen.
So haben auch im Fall der neuen Siedlung Kutukachi, die gegen die Rechte der Kichwa verstößt, die lokalen Behörden und die Polizei die Unterstützung verweigert. Sogar die Gouverneurin der Provinz Pastaza erklärte Ende April 2010, dass die Rechte der Indigenen und die neue Verfassung noch nicht überall im Land bekannt seien und mehr zur Aufklärung getan werden müsse.
Auseinandersetzungen bleiben nicht aus
In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den Kichwa, den Ölfirmen und dem Militär. Trotz regelmäßiger Angriffe und unzähliger Morddrohungen wenden sich die Kichwa weiter an die Öffentlichkeit. Sie versuchen durch Protestaktionen, Ausstellungen, TV-Präsenz, Interviews und Besuche bei nationalen und internationalen Organisationen, Aufklärungsarbeit zu leisten, um so auf Umwegen Druck auf die Regierung zu erzeugen und ihr Überleben in Sarayaku zu sichern.
Im Norden Ecuadors, außerhalb des Gebietes der Kichwa, hat die Ausbeutung der Wälder und Böden bereits begonnen und die Eingriffe durch die Erdölexploration haben die Tropenwaldgebiete stark geschädigt. Der Wald ist quadratkilometerweit gerodet und stinkende Ölseen breiten sich aus. Als Folge der Ölförderung bilden sich chemische Rückstände, die nach und nach die Böden, die Luft und das Trinkwasser der betroffenen Regionen - und dadurch die Menschen und Tiere vergiften.
Erfolg in Sarayaku
Anfang 2011 hat sich der argentinische Erdölkonzern CGC aus Sarayaku zurückgezogen und es wird vermutet, dass 20 Millionen US-Doller als Entschädigung vom Ecuadorianischen Staat gezahlt wurden, damit der Förder-Block 23 aufgelöst wurde.
Leider wird dieser Triumpf überschattet: Denn das Gebiet Sarayakus wird nun teilweise dem Block 10 zugewiesen, für den die italienischen Firma AGIP die Consession hat. Der neue Block 10 betrifft immer noch den Norden von Sarayaku sowie umliegende Gebiete der Kichwa von Pacayaku und der Achuar.
Gerade im Norden von Sarayaku kam es im Frühling 2010 zu Konflikten durch die oben erwähnte illegale Ansiedlung (Kutukachi). Die Lebensgrenze, die inzwischen schon weit fortgeschritten ist, ist dadurch gefährdet. Ein weiteres Problem ist, dass sich die neuen Fördergebiete alle in den Bergen um Sarayaku befinden, wo die Quellgebiete der Flüsse der Region liegen. Jede Verschmutzung hat also auch direkte Auswirkungen auf Sarayaku, denn die Kichwa leben vom Fischfang, trinken das Wasser und die Kinder baden in den Flüssen








