Mitten im letzten größten Regenwaldgebiet Mittelamerikas liegt der 375.000 Hektar große Nationalpark Patuca in Honduras. Diese grüne Brücke des Lebens erstreckt sich von Mexiko im Norden bis Panama im Süden. Der Patuca-Nationalpark in Honduras ist Bestandteil dieses zusammenhängenden Tropenwaldnetzes. Seltene und bedrohte Arten wie Quetzal, Regenbogen-Tukan, Soldaten-Ara, Adler-Harpyie, Jaguar, Ameisenbär und Mahagonibaum finden hier ihren Lebensraum.
Doch trotz der Ausweisung als Nationalpark im Jahr 1999 nehmen die Siedlungsaktivitäten entlang der Flussufer des Rio Patuca und des Rio Cuyamel weiter zu. Arme, landlose Familien lassen sich dort nieder, in der Hoffnung, fruchtbares Land zu finden und sich davon ernähren zu können. Dem honduranischen Staat fehlen Mittel und Personal, den Park zu sichern und den fortschreitenden Waldrückgang aufzuhalten.
Darum ist die aktive Zusammenarbeit mit der lokalen Bevölkerung ein wichtiges Mittel für den langfristigen Schutz des Parks. Den Siedlern fehlt es an Erfahrungen und Wissen über nachhaltige Bewirtschaftungsformen, was dazu führt, dass der Boden bereits nach wenigen Jahren erschöpft und für den Anbau von Feldpflanzen nicht mehr nutzbar ist. Aus einst üppigem, intaktem Regenwald werden ausgelaugte, verödete Felder. Daraufhin ist die Bevölkerung „gezwungen“, neue Waldstücke zu roden und den Teufelskreis weiterzuführen. Die unfruchtbar gewordenen Felder werden meist an Rinderzüchter verkauft, die auf den riesigen entwaldeten Weideflächen ihr Vieh halten. Dies wiederum macht eine Naturverjüngung des Waldes unmöglich, und durch die Rinderweiden benötigt der Boden Jahrzehnte, sich zu regenerieren.
Landkauf und Modellfinca
Seit dem Jahre 2000 arbeitet OroVerde mit der lokalen Partnerorganisation Asociación Patuca zusammen. Durch die finanzielle Unterstützung war es möglich, besonders wertvolle Primärwaldflächen innerhalb des Parks zu kaufen, um diese langfristig vor Abholzungen zu schützen.
Zusätzlich zu dem Landkauf wurden Projekte eingeführt, welche die nachhaltige Nutzung des Parks gewährleisten. In diesem Zuge wurde eine Modellfinca errichtet, an die eine Grundschule angegliedert ist, um Umweltbildungsmaßnahmen durchzuführen. Der Anbau von Medizinalpflanzen und der Aufbau einer Schweinezucht und einer Leguanfarm helfen den Bewohnern, alternative Einkommensquellen zu erschließen und den Nutzungsdruck auf das sensible Ökosystem Regenwald zu reduzieren.
Umweltbildungsmaßnahmen
Durch das lückenhafte Netz von Schulen und Lehrern in den Gemeinden, die mangelnde Bildung und die nicht vorhandenen Kenntnisse nachhaltiger Anbaumethoden schreitet die Zerstörung des Waldes weiter voran. Seltene Tier- und Pflanzenarten sind bereits verloren gegangen.
Um diese Lücken nach und nach zu schließen, wurden in den schwer zugänglichen Gemeinden 23 Grundschulen gebaut, Lehrkräfte angestellt und Lern- und Arbeitsmaterialien beschafft, um vor allem den Kindern eine hinreichende Bildung zu vermitteln. Die Kinder sind Multiplikatoren, aber auch die Erwachsenen werden durch Workshops für den ressourcenschonenden Umgang mit dem Ökosystem Regenwald sensibilisiert. Die Siedler entwickeln ein Verständnis dafür, dass der Schutz des Patuca Nationalparks den Erhalt der eigenen natürlichen Ressourcen und die Zukunft ihrer Kinder bedeutet.
Die landwirtschaftliche Beratung der Kleinbauern in den einzelnen Gemeinden ist für die nachhaltige Bewirtschaftung von Waldflächen unabdingbar. In Workshops mit ausgebildeten Agronomen werden mit den Bewohnern des Parks Alternativen zur fortgesetzten Brandrodung erarbeitet – wie etwa das Pflanzen von Kakaosträuchern im Waldbestand oder das Anlegen von Wald- und Gemüsegärten. Diese reduziert ebenfalls den Druck auf den Park und trägt dazu bei, wichtige Waldflächen zu erhalten.
In Zusammenarbeit mit den Schulen und Gemeinden werden kleinere Baumschulen auf ehemaligen Rodungsflächen im Regenwald angelegt. Somit werden erosionsgefährdete Flächen wiederaufgeforstet und gepflegt.









