Der 71.140 Hektar große Alexander von Humboldt Nationalpark im nahezu unerschlossenen Osten Kubas umfasst 68.890 Hektar terrestrische und 2.250 Hektar marine Bereiche. Er reicht vom 1.168 Meter hohen Gipfel des „El Toldo“ bis hinunter zur mangrovenbestandenen Küste mit einer Vielzahl an vorgelagerten Riffen. Die vielen Flüsse, die im Nationalpark entspringen und ihn durchfließen, haben tiefe Täler und schmale Schluchten geschnitten – zum Beispiel der Rio Toa, der wasserreichste Fluss des Landes. Mit seiner topografischen und klimatischen Vielgestaltigkeit erfüllt der Nationalpark die Voraussetzung für den Fortbestand der einzigartigen Biodiversität der Region, und 90 % der Fläche des Nationalparks sind noch in einem nahezu ursprünglichen Zustand.
Fünf Jahre nach seiner Gründung im Jahre 1996 wurde somit die Notwendigkeit des Erhalts auf internationaler Ebene bestätigt und 2001 von der UNESCO als Weltnaturerbe der Artenvielfalt ausgezeichnet. Weitreichende Waldflächen konnten erhalten bleiben und bieten eines der letzten intakten Rückzugsgebiete für eine Vielzahl von weltweit einzigartiger Flora und Fauna: Unzählige Froscharten, wie der kleinste Frosch der Welt, das Monte-Iberia-Fröschchen , über 100 verschiedene Reptilienarten (80% davon endemisch), kleine Säugetiere, wie etwa die Baumratte und prächtige Vogelarten, wie der endemische Kubatrogon, der gleichzeitig Kubas Nationalvogel ist und dessen Federkleid farbgebend für die kubanische Staatsflagge war. In der marinen Zone ist das seltene und gefährdete Karibik-Manati (Trichechus manatus) beheimatet. Von den bisher gefundenen 1.300 Pflanzenarten sind 70 - 80 % endemisch für die Karibik. In Kuba kommen 343 Arten ausschließlich in den östlichen Bergregionen vor, wie der mausähnliche Kubanische Schlitzrüssler (Solenodon cubanus), der Kuba-Sittich (Aratinga euops) oder die Kuba-Amazone (Amazona leucocephala). Sie sind jeweils die letzten ihrer Art und haben hier eine Zuflucht gefunden. Mit 150 lokalen endemischen Arten im Nationalpark weist dieser die höchste Konzentration an Endemismen in Kuba auf.
Die zwei Provinzen Guantánamo und Holguín, über welche sich die Parkfläche erstreckt, leiden unter Armut und der Zerstörung des Lebensraumes durch illegalen Bergbau, nicht-nachhaltige Landwirtschaft, unkontrollierten Bränden und die daraus resultierende Erosion des fruchtbaren Bodens. Somit gefährdet der stetig zunehmende Landnutzungsdruck diese wertvollen Lebensräume und schlussendlich die Existenz zahlreicher Arten.
Erhalt der Artenvielfalt, Forschung und Einbeziehung der Bevölkerung
Nach der offiziellen Ausweisung des Gebietes als Nationalpark im Jahre 1996, stand der Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur, zusammen mit der Erhaltung der Artenvielfalt und dem natürlichen Lebensraum der ostkubanischen Provinzen, im Vordergrund. Dazu zählten hauptsächlich Schutzhütten für die Waldhüter und Wissenschaftler, Wege und Schilder, sowie ein kleines Besucherzentrum. So konnte der Zugang zum Park für die Mitarbeiter, Forscher, Touristen und interessierte Bauern und Schüler aus der Region verbessert werden.
Diese Maßnahmen sind nicht nur für die Überwachung des Schutzgebietes wichtig, sondern auch, um den Nationalpark langfristig zu erhalten. Ohne die Mitarbeit der Bevölkerung sind Waldschutzmaßnahmen ohne Bedeutung. Daher erhielten einige Bewohner eine Ausbildung zum Mitarbeiter der Parkverwaltung oder zum Waldhüter. Es fanden Fortbildungskurse statt, in denen sie nicht nur den Park und seine natürlichen Ressourcen besser kennen lernten, sondern auch wichtige Fähigkeiten für die tägliche Arbeit erlernten
Der Alexander von Humboldt Nationalpark ist in mehrere Zonen unterteilt, indem ein Großteil ausschließlich dem Artenschutz und der wissenschaftlichen Forschung dient. Die Kernzone steht unter striktem Schutz und ist von enormer Bedeutung als Rückzugsgebiet für viele Arten. In anderen Zonen und unmittelbar an der Grenze des Parks siedeln Kleinbauern, die überwiegend vom Anbau und Verkauf von Kokosnüssen leben. Damit diese Aktivitäten nicht die Schutzziele des Parks gefährden arbeiten die Partner von OroVerde eng mit den Bauern zusammen und führen Seminare zu land- und forstwirtschaftlichen Themen durch. Baumschulen wurden angelegt und Öffentlichkeitsarbeit in den Schulen betrieben. Diese Maßnahmen erzielten bereits Erfolg: das Umweltbewusstseins der Bevölkerung stieg deutlich, was durch zurückgehende Waldbrände und den deutlichen Rückgang des illegalen Holzeinschlags sichtbar wird. Heute sind die Kleinbauern wichtige Partner in der täglichen Arbeit des Parkmanagements. Sie wissen, wo gefährdete und seltene Arten vorkommen und kennen die medizinische Verwendung vieler Pflanzenarten. Von diesem Wissen profitieren nicht nur die Wissenschaftler.
Ausrüstung der Mitarbeiter
Die Waldhüter des Alexander von Humboldt Nationalparks sind wichtige Akteure in der Überwachung und dem Schutz der einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Sie helfen bei der Aufforstung, kümmern sich um den Erhalt der Wege und übernehmen wichtige Überwachungs- und Monitoringaufgaben, um das Eindringen von Wilderern oder Baumfällern zu verhindern. Sie dokumentieren das Vorkommen bedrohter Tierarten und überwachen Brutplätze, zum Beispiel die der gefährdeten Kuba-Amazone. Eine weitere wichtige Aufgabe der Waldhüter ist die Pflege des Baumbestandes.
Damit diese auch weiterhin den Schutz des Nationalparks vorantreiben wurde mit Hilfe von Spendengeldern ihre Ausrüstung verbessert. Eine neue Digitalkamera hilft den Mitarbeitern, illegales Eindringen oder seltene Tier- und Pflanzenarten zu dokumentieren.
Neue Reifen für insgesamt sieben Vierradmotorräder, so genannte Quads, wurden angeschafft, um die Fortbewegung auf den schwer zugänglichen Straßen im Park zu erleichtern und die Überwachung und das notwendige Eingreifen (zum Beispiel bei Bränden) effizienter zu gestalten.
Im Jahre 2010 wurde zudem das neue Büro der Parkverwaltung in unmittelbarer Nähe des Parks in der Kleinstadt Baracoa eingeweiht. Das Büro konnte ferner mit Computern ausgestattet werden. Nun haben die Mitarbeiter die Möglichkeit direkt vor Ort zu arbeiten, schneller auf sich verändernde Faktoren zu reagieren und das touristische Angebot auszubauen.
Ausbau der touristischen Infrastruktur
Die Kleinstadt Baracoa am Rande des Nationalparks ist das touristische Zentrum der Region. Durch das neue Parkbüro kann das aktuelle touristische Angebot weiter ausgebaut werden. Die vier Wanderwege stehen den Besuchern für Tagestouren zur Verfügung. Ebenso eine Bootstour, die es den Touristen aus aller Welt ermöglicht, den Park unter sachkundiger Führung zu erkunden.
Geplant sind weitere Wanderwege, Mehrtagestouren und Lehrpfade mit diversen umweltpädagogischen Aktivitäten, welche von den Parkmitarbeitern geleitet werden. Zudem soll das marine Ökosystem stärker in das touristische Angebot integriert werden.









