Venezuela - Durch Bildung Regenwald schützen
Der Bergnebelwald auf der venezolanischen Halbinsel Paria, im Bundesstaat Sucre, erstreckt sich in einer Höhe von 600 bis 1300 Metern. Darunter schmiegen sich Steilküsten und sumpfige Savannen, die in Küstennähe der Karibischen See in üppige Mangrovenwälder übergehen.
Dieses seltene Waldökosystem weist eine besonders hohe Artenvielfalt auf, und vor allem die Kronendächer der Urwaldriesen sind ökologische Nischen. Viele endemische Vogel- und Pflanzenarten, darunter Kolibri-, Orchideen- und Bromelienarten, sind in diesem Gebiet heimisch. Aber auch Seekühe, Brüllaffen, Anakondas und den schon von Alexander von Humboldt als "einzigartig" beschriebenen Fettschwalm kann man in der Region beobachten.
In Zukunft werden die Nebelwälder, als eine Art Indikator beim Monitoring des Klimawandels, eine noch bedeutendere Rolle einnehmen.
Die große Armut der Landbevölkerung, und die kleinbäuerliche Brandrodung mangels Umweltbewusstsein und fehlendem ökologischem Verständnis, üben einen großen Nutzungsdruck auf die Landschaft und den Wald aus. Nur ein Bewusstseinswandel und die Bekämpfung der Armut können die Artenvielfalt der Wälder Parias retten.
In Zusammenarbeit mit der Fundación Thomas Merle arbeitet OroVerde mit der lokalen Bevölkerung auf das Ziel hin, den einmaligen Bergnebelwald zu erhalten. Durch Aufklärungs- und Bewusstseinsbildung werden theoretische und praktische Umweltbildungsmaßnahmen für und mit den unterschiedlichen Zielgruppen erarbeitet.
Alternativen zur bisherigen landwirtschaftlichen Nutzung werden eingeführt, um den Zugang zu nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten und Einkommensquellen für die Kleinbauern der Region zu erschließen.
Umweltbildung
Der Grundstein zum Waldschutz liegt in dem Bewusstsein der Bevölkerung. Nur, wenn die Kleinbauern verstehen, dass und warum der Wald in dem sie leben schützenswert ist, kann nachhaltiger Waldschutz vorangetrieben werden.
Daher ist es wichtig, die Kinder und Jugendlichen zu sensibilisieren, um diese als Multiplikatoren für ihre Eltern und später für ihre eigenen Kinder zu verwenden.
2005 wurde in Zusammenarbeit mit der GTZ und mit großer Beteiligung von lokalen, regionalen und nationalen Institutionen aus Venezuela das Umweltbildungszentrum Centro Ambiental "El Refugio del Bosque" (CARB) auf dem Gelände einer Baumschule in El Pilar, einer kleinen Gemeinde im Süd-Westen der Halbinsel, erbaut.
Darin lernen Schüler, Eltern und Lehrer in theoretischen und praktischen Unterrichtseinheiten und außerschulischen Kursen und Workshops, alles Wichtige zu den Themen Biodiversität, Naturschutz und Nachhaltigkeit.
Durch eine Kooperation mit der Universität „del Oriente“ werden Studenten als zusätzliche Wissensträger gewonnen.
Darüber hinaus wurden eine ökologische Kläranlage, Mülltrennungs- und Kompostsysteme errichtet, um der Bevölkerung ein Beispiel zu geben, wie jeder Einzelne Müll reduzieren und recyceln und dadurch wertvolle Rohstoffe erhalten kann. Die Anlage ist in dieser Form modellhaft für Venezuela und wird somit Vorreiter für weitere Anlagen in anderen Gemeinden sein.
Viele Schulen besuchen regelmäßig das Umweltzentrum, um den Schülern die umfassende Bedeutung des Waldes nahe zu bringen und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie sich selbst für dessen Erhalt einsetzten können.
Mitte 2010 organisierte daher das Umweltzentrum mit den Schulen eine Schülerdemonstration, mit Ansprachen, Theateraufführungen, Musik und TV-Auftritt, um die Bevölkerung auf die Zerstörung des Waldes aufmerksam zu machen und zu nachhaltigem Handeln zu animieren.
Das öffentliche Interesse am CARB nimmt ständig zu, und durch regionale und nationale Netzwerke wird ein breites Spektrum in der Bevölkerung erreicht. Universitäten, Schulen und die lokalen Gemeindeverwaltungen beteiligen sich genauso wie botanische Gärten oder Institutionen aus der Hauptstadt an der Arbeit im Umweltbildungszentrum. Interessierte Personen aus der einheimischen Bevölkerung wurden zu Rangern und Mitarbeitern ausgebildet und tragen so die Informationen und Aktivitäten weiter.
Waldschonende Landnutzung
Um den Nutzungsdruck auf die bewaldeten Berghänge zu mindern wurde ein Pilotprojekt zur nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen, unter besonderer Einbindung von Frauen, initiiert.
Darin sind zum einen Versuchsflächen angelegt, auf welchen ökologische Landwirtschaft in Haus- und Waldgärten vorgeführt wird, was eine gute Alternative zum Raubbau darstellt.
Zum anderen wird der Bevölkerung die effizientere Nutzung und Bearbeitung von Holz durch Workshops von erfahrenen Zimmerern nahe gebracht.
Die Vermittlung von ökologischen Zusammenhängen und die Einführung nachhaltiger Bewirtschaftungsformen sichern den wertvollen Wald mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt als Lebensraum.
Die bereits vorhandene Baumschule wird erweitert und auf einheimische Pflanzen- und Baumarten spezialisiert. Diese selbst gezogenen Pflanzen werden in den eigenen Aufforstungsflächen der einzelnen Familien verwendet, und die nachhaltige Waldwirtschaft auf größere Flächen ausgeweitet.
Um auch weiterhin eine längerfristig erfolgreiche Durchführung des Projektes zu gewährleisten, werden ständig Netzwerke zum Austausch zwischen lokalen Behörden, Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen erweitert und geschaffen.









