Die erste Praxisphase mit den Projekten "Rap 4 Rainforest", "Let´s dance" und "Laufen für den Regenwald" wurden im Sommer 2010 abgeschlossen. Ausführliche Fokusgruppen-Interviews mit den Schülern und Nachbesprechungen mit den beteiligten Lehrern dienten der Evaluation. Hier ein Einblick in die Ergebnisse.
1. Ja, Nachhaltige Entwicklung lässt sich auch Hauptschülern vermitteln!
2. Die Jugendlichen interessieren sich durchaus für das Thema Umwelt – sie haben jedoch von sich aus zunächst keinen Bezugspunkt und sehen eher in anderen Bereichen Handlungsbedarf (z.B. soziale Projekte, Arbeit mit Straßenkindern etc.). Zusammenhänge vom eigenen Tun und die Auswirkungen auf die Umwelt sind ihnen nicht wirklich präsent – eigentlich höchstens theoretisch und ohne innere Bilder dazu. („Ja, ich wusste das gar nicht … aber wenn man das so sieht kommt das einem ganz schön nah.“ AFS) Erst Emotionalisierung („Das Zuhause der Tiere“) oder wiederum unsere eigene deutliche Abhängigkeit von der Umwelt („Klima-Macher Regenwald“) machen ihnen die Bedeutung des Themas bewusst und führen dazu, dass eine innere Wichtigkeit des Themas entsteht.
3. Motivation – die wichtigsten Einflussgrößen
a) Eine gute Beziehung zwischen Schülern und Lehrer / Praxispartner / OroVerde bildet Grundlage für ein gutes Lernen und die Motivation, aktiv zu werden. Die Jugendlichen möchten wert geschätzt und ernst genommen werden. Gerade in den anstrengenden Phasen des Projektes (zum Beispiel bei hitzefrei der ganzen Schule) trug sie entscheidend zum Durchhalten bei. "Wir fanden euch nett und auch die Praxispartner. Da wollten wir euch nicht hängen lassen. Und auch die Gruppe nicht hängen lassen. Das ist uns wichtig, dass man niemanden sitzen lässt."
Beides spielte also eine wichtige Rolle: die Beziehung zum Lehrenden (Praxispartner, OroVerde, Lehrer) und zu den Mitschülern / zu der eigenen Gruppe. Dieses Gruppenerlebnis war für manche der Klassen sogar eine neue Erfahrung: "Das war das allererste Mal, dass wir so richtig zusammengearbeitet haben" (Laurentius-Schule). Andere begreifen ihre Gruppe bereits als Freundeskreis (Rapper AFS).
b) Motivation durch den Einsatz für die gute Sache: In den Interviews betonen die Jugendlichen, dass es für sie wichtig war, für etwas Gutes einzutreten. "Ja, da wissen wir auch, dass es für was ist, halt für den Regenwald. Dass die Welt nicht so schnell kaputt geht." Auch den großen Abschlussevent halten sie für wichtig - das "nach Draußen tragen" des Wissens spielt eine große Rolle. "Wenn wir das alleine in der Klasse gelernt hätten, dann wüssten ja nur wir Bescheid und nicht die anderen Schüler. Das wäre dann doof. Und wenn es die ganze Schule weiß, dann ist es halt besser." "Den Informationstag (ein Tag, den die Förderschüler für die ganze Schule veranstaltet haben, um für den Sponsorenlauf zu werben) fand ich gut. Weil es hat sehr viel Spaß gemacht und man hat da auch den anderen viel erklärt. Ich glaub das war der Tag, wo die auch sehr viel über den Regenwald erfahren haben. Vorher kamen die an und meinten `Nö, wieso, da mach ich nicht mit´ und hinterher meinten alle, da machen sie jetzt mit."
c) Motivation durch ein erreichbares, großes Ziel: den Abschlussevent. Hier lockt das gemeinsame Ziel, etwas Tolles auf die Beine zu stellen, gefeiert zu werden, sich zeigen zu dürfen, gut zu sein. Im Mittelpunkt steht dabei der Wunsch, etwas zu erreichen („Hin zu“-Motivation). Aber es gibt auch noch eine andere Seite: Auf der Bühne blamieren will sich niemand – und so wird trainiert, trainiert, trainiert („Weg von“-Motivation).
Was sind die Erfolgserlebnisse für die Jugendlichen? Zum einen natürlich der erfolgreiche Bühnenauftritt („Ich bin stolz drauf, dass ich am Samstag auf der Bühne war, also obwohl ich mir nicht 100% sicher war, ob ich meinen Text kann, aber ich habs gemacht, ich habs geschafft und da war ich stolz auf mich. Das war – auch ein Erfolg.“ „…Als ich das erste Mal auf die Bühne gegangen bin mit meinen ersten Texten die ich auswendig gelernt habe, das war un… als ich da runterkam und den Applaus bekommen hab, das war – boah, ich war so stolz, dass ich das hinter mich gebracht hab.“), der Sponsorenlauf ("Ich und die anderen hätten nicht gedacht, dass wir so viel Geld halt zusammen bekommen."), mehr geleistet zu haben als vorher gedacht, durchgehalten zu haben, ...
Zum anderen wird der Zugewinn an Wissen von den Jugendlichen immer wieder als Erfolgserlebnis wahrgenommen und betont: "Ja, dass ich das Thema halt kennen gelernt habe. Ja früher Regenwald, ich konnte damit ja halt nix anfangen. Aber wo wir immer darüber gesprochen haben, warum wir das machen, wofür das gut ist, hat mich das schon interessiert. Jetzt weiß man halt mit was man umgehen soll, mit Papier oder Dosen kaufen. Wusste man ja alles gar nicht. Und jetzt (...) wir wissen halt darüber Bescheid was man besser tun kann.“ (Laurentius-Schule)
„Das kann man gar nicht erklären, das sind so kleine Erfolgserlebnisse so. Jaaa, zum Beispiel bei mir war das mit den Handys und so, wo wir darüber geredet haben und ich dann voll wusste „Ja, da kommts her und so“ und dann, weil die Birthe mir das vorher erklärt hat „ja, ich weiß ganz genau von wo das kommt, ganz ganz ganz weit unten ganz tief drinne so im – in der Erde ist das da und es besteht aus das – aus Koltan und Tantal und so, ich war voll – ich war richtig stolz, weil ich das konnte so. Und ich hab auch verstanden n bisschen was eigentlich los war, weil ich hatte ja keine Ahnung, weil man hat ja keinen Zugang zu dieser ganze Sache am Anfang. Das war für mich auch n Erfolgserlebnis.“ (AFS-Rapper)
„Also zum Beispiel, ich hätt nie gedacht, dass ich irgendwas über den Regenwald schreiben kann, dass ich das geschafft hab, das ist ein Erfolg für mich, also ich habs geschafft. Da war ich natürlich auch stolz auf mich.“ (AFS-Rapper)
5. Der Praxispartner hat einen anderen Zugang zu den Jugendlichen als die Lehrer und dadurch eine wichtige Beziehungsfunktion. Gerade wenn er sehr empathisch & wertschätzend mit den Jugendlichen umgeht, wird er sogar zum Vorbild und Vertrauten. Als spannende Bezugsperson für die Jugendlichen hat er dadurch die Chance ein Thema sehr intensiv auf der Werte-Ebene zu transportieren.
"Weil es auch mal eine andere Person ist, die mit einem spricht und über dieses Thema redet. Fand ich viel besser, als wenn es nur die Lehrerin gemacht hätte." (Vorraussetzung: Interesse des Praxispartners am Thema – nur so kann er auch glaubhaft eine Vorbildfunktion einnehmen).
Auch die Jugendlichen sagen, dass ihnen der Praxispartner sehr wichtig ist. Nicht nur als Bezugsperson, sondern auch als „Experte“ für einen außerschulischen Bereich.
"...Alleine so mit der Lehrerin - sie weiß ja auch nicht so wirklich. Ihr arbeitet alle bei OroVerde und wisst über alles Bescheid. Wenn man den Lehrer dann was fragt, muss er selbst gerade mal überlegen, geht gerade mal ins Internet und googlet dann mal was raus. Das ist auch blöd."
„Die Beejay (Tänzerin) hat uns das alles beigebracht. Ohne sie wär das ja gar nicht gegangen!“
"Am Anfang, wo Frau Hanke uns gesagt hat, wir machen das Thema Regenwald dachten wir 'Mein Gott, was soll das jetzt'. Und dann hat Frau Hanke mit uns darüber geredet, aber das hat uns nicht so interessiert. Wo OroVerde hinzukam, hat es einigermaßen angefangen Spaß zu machen. Aber wo wir das kennengelernt haben am Anfang, überhaupt nicht. Erst nach einer Zeit. Das mit dem Timo Horn hat uns gut gefallen, dass er uns extra trainiert hat für den Regenwald, dass wir mehr Ausdauer haben beim Sponsorenlauf."
6. Der Zugang zum fernen Thema Regenwald wird über spannendes Medium erleichtert
Das Medium / die Methode (Hip Hop, Rap, Sport) holt die Jugendlichen bei ihrem Interesse ab (z.B. tanzen oder rappen lernen) und gibt zugleich Sicherheit, da es aus ihrer bekannten Welt kommt (z.B. Sport). Gerade als Angebot im Wahlpflichtfach stand für die Entscheidung zur Teilnahme bei den Jugendlichen die Methode im Vordergrund, nicht das inhaltliche Thema Regenwald. („Einfach nur AG Regenwald? – Ich bin ehrlich: ich hätt das nicht genommen. Nee.“ „Ich auch nicht.“ „Kommt drauf an, was wir da machen, ich mein, wenn wir da reingehen und dann (…) Dokumentationen machen, wenn das so – eben son Text schreiben über Regenwald, dann würd ich da nicht mitmachen.“)
Die Projektarbeit und Kopplung von Unterricht an ein Praxis-Projekt kommt gut an – dies spiegelt sich auch im Abschluss-Feedback. "Das war mal was anderes außer Schule. Man konnte mehr machen, also mehr über das Thema sprechen. Man konnte dann Aufgaben dazu machen. Wir waren ja auch oft draußen und so. Das ist schon was anderes, als wenn du nur Unterricht machst. Ich glaube, dass wir im Unterricht auch nicht so viel erfahren hätten über den Regenwald."
Anm.: Zu Bedenken bei der Gestaltung der Agenturen ist allerdings, dass ein Medium wie Hip Hop bestimmte Fähigkeiten in den Vordergrund stellt. SchülerInnen ohne Taktgefühl haben es z.B. deutlich schwerer zu rappen. Es kann daher sinnvoll sein, ihnen im Rahmen des Projektes andere wichtige Funktionen zu eröffnen, so dass sie ebenfalls ihre Fähigkeiten voll einbringen können (z.B. Orga-Team, Plakate gestalten etc.).
7. Was guten Unterricht ausmacht: Gespräche, Aktionen, Ausflüge, überraschende Fakten, Zugewinn an Wissen durch prägnante Bilder und griffige Vergleiche, Regeln erkennen
a) In den abschließenden Fokusgruppen-Interviews betonten die Jugendlichen besonders, dass es für sie wichtig war, viel über das Thema zu reden. Das hätte es "so intensiv gemacht". Das Mündliche bevorzugten die Jugendlichen ganz klar gegenüber Arbeitsblättern ("Da kriegt man auch viel mit", "Mehr bleibt hängen, wenn man redet. Ich finde, schreiben, da behalte ich nicht so viel, als wenn man darüber redet.") - kein Wunder, zumal Schreiben den Schülern eh schwerer fällt und im Gespräch die „Beziehung“ (s.o.) eine zentrale Rolle einnimmt.
b) Absolutes Highlight neben dem Abschlussevent ("Da hatte ich irgendwie auch Bock zur Schule zu gehen") war für die Jugendlichen der Zoobesuch mit Zoo- und Foto-Rallye, an die sie sich auch nach Abschluss des Projektes noch lebhaft erinnerten. Allgemeiner Wunsch: mehr Ausflüge! Mehr raus aus der Schule!
c) Aber auch das Arbeitsblatt, bei dem die Regenwaldländer in einem Atlas gesucht werden mussten, um anschließend in einer gemeinsamen Aktion eine große Karte in der Klasse zu gestalten, wurde gelobt. Ebenso die Arbeitseinheiten zu den Themen Papier und Coltan / Handy. Gerade die Papier-Einheit zeichnete sich durch Methoden aus, die die Jugendlichen gerne annahmen: ein Papierquiz mit überraschenden Fakten und eine öffentlichkeitswirksame Aktion auf dem Schulflur.
d) Generell sind prägnante Bilder und griffige Vergleiche, die Zahlen „erfahrbar“ machen, sehr wichtig. Je vorstellbarer die Inhalte werden, desto mehr „kommt an“. Die bewusste Reflexion über neues Wissen und das intuitive, freie Assoziieren, Schätzen und Spüren von Inhalten zu verknüpfen, erleichtert das Lernen.
e) Noch einmal ein Beispiel zu dem Punkt „Überraschende Fakten fördern das Lernen“. Die Überraschung der Jugendlichen in der Unterrichtseinheit „Coltan“, dass ihr Handy etwas mit der Zerstörung der Regenwälder in Afrika zu tun haben, war enorm. Viele kamen im Nachhinein noch auf uns zu (zum Teil auch mehrere Wochen später) und sagten „Das wusste ich gar nicht“, „Das hätte ich nie gedacht“, „Erfahren wir noch mehr solche Sachen?“. Das anschließende Engagement der Schüler wurde von dieser großen Überraschung (und Empörung „Da muss RTL doch mal drüber berichten!“) getragen. Bereits nach zwei Wochen hing der Handy-Sammelkasten für ein Recycling des Coltans. Einen Monat später war auch ein Flyer hierzu erstellt. (Auch hier also wieder die Mischung von „Überraschung“ und „Aktion“).
Allerdings: der Lehrende muss auch hier das Engagement unterstützend begleiten und das Feuer am brennen halten bzw. Anregungen für die nächsten Schritte geben.
f) Regel-Lernen. Drei unterschiedliche Unterrichtseinheiten zu verschiedenen Themen (z.B. Coltan, Palmöl, Papier) führten bei den Schülern zu der eigenständigen Erkenntnis, dass unser Konsumverhalten weltweit Auswirkungen hat und dass unsere Welt inzwischen stark vernetzt ist. Dies formulierten sie als regelrechten Aha-Effekt. Die Jugendlichen erkennen die „Regel dahinter“ – und erarbeiten sich damit selbst ein größeres Verständnis von der Welt. Eine empfehlenswerte Methode.
g) Arbeitsblätter sind zwar eine gute Methode zur Vertiefung des Stoffes im Unterricht, stellen jedoch die Beziehung zu weit nach hinten, um die Schüler an ein neues Thema heran zu führen. Um die Schüler zu packen sind Arbeitsblätter zu statisch und in der Regel wenig auf die Situation und die einzelnen Jugendlichen zugeschnitten.
Arbeitsblätter sind also nur in bestimmten Phasen sinnvoll einzusetzen: bei bestehendem Grundinteresse und zur Vertiefung des Stoffes.
h) Wenn Arbeitsblätter, dann bunt, spannend, vielseitig und reich an Bildern. Das steigert die Lust, sich damit zu beschäftigen. Hebt den Wert des Inhalts.
8. Jedes Thema benötigt direkten Handlungsbezug. Kernfrage: Was kann der Einzelne tun - und bringt das auch was? Besteht kein Handlungsbezug, macht es für die Jugendlichen keinen Sinn, sich damit zu beschäftigen. Sie haben nichts davon (außer Frust) und für ihr Leben bringt es ihnen auch nichts (höchstens ein schlechtes Gewissen). Besteht für sie jedoch eine einfache Möglichkeit zu handeln, sind sie sehr bereit dazu und motiviert bei der Sache. Ist der persönlich zu erreichende Effekt durch Handeln zu klein („bringt es also nichts“), ist es nicht der Mühe wert, aktiv zu werden.
9. Hindernisse in Bezug auf das eigene Handeln liegen in verschiedenen Bereichen: fehlende Vorbilder und Anleitung, finanzielle Schwierigkeiten (teure Alternativprodukte), komplizierte Beschaffungswege (Anstrengung), Unverständnis in der Peergroup. Je mehr eine Schule Nachhaltigkeit vorlebt, der Lehrer zeigt, wenn er ein Recyclingheft gekauft hat, die Schüler lobt, wenn sie entsprechend handeln, desto leichter sind Umweltthemen zu vermitteln.
10. Ein beobachtetes inkonsistentes Verhalten der Schüler ist für die BNE ein wichtiger Parameter! Denn wenn alles Wissen parat ist – was hindert die Jugendlichen dann noch an der Umsetzung? Inkonsistenzen sind gute Hinweise darauf, wo es noch an etwas mangelt. Es ist also wichtig, auf Inkonsistenzen zu achten und deren Ursachen zu ergründen, wenn man ein bestimmtes Ziel (z.B. Recyclingpapier einführen) anstrebt. Mehr dazu (um Dopplungen zu vermeiden) unter "Hirnforschung".
11. Lehrer und Praxispartner als Vorbilder: Gerade wenn die Lehrer sich anders verhalten, als sie lehren (z.B. Arbeitsblätter nicht beidseitig kopieren oder kein Recyclingpapier benutzen), wird es von den Jugendlichen negativ wahrgenommen. "Ich finde das doof. Mann soll ja schon mitziehen, wenn man so ein Projekt macht." Aber trotzdem versuchen einige der Schüler, als gutes Beispiel voran zu gehen. Auf die Frage, ob sie denken, wenn es die Lehrer nicht machen, müssten sie es auch nicht machen, sagte die befragte Gruppe: "Nein, ich finds gut (Papier sparen). Wenn ein Mensch anfängt und einer sieht das, denkt der auch `Warum mach ich das nicht?´"
12. Umfeld der Schüler: Großteils äußern die Jugendlichen, dass es die Eltern und Familie nicht interessiert hätte, was sie in dem Projekt machen. Einige bekamen sogar eher Gegenwind zu spüren "Mein Cousin hat sich einen abgelacht". (Dieses Interview ging in eine Schülerdiskussion über, ob man dem Cousin dann am Besten die Faust ins Gesicht schlägt oder ob man den Mund hält ...). Aber es gab auch Ausnahmen: "Mein Vater war nicht davon begeistert. Meine Mutter hat eigentlich die ganze Zeit dazu gehalten. Ist momentan auch im Fieber drin." In diesen Ausnahmefällen erleben sich die Jugendlichen dann durchaus auch als Vorbild. "Meine Mutter ist auch momentan sehr sparsam mit Papier. Sie trennt jetzt auch den Müll. Früher hat sie immer Restmüll in bio rein getan. Und jetzt halt nicht mehr so.“
Manche der Jugendlichen nahmen sich selbst auch in der Schule als Vorbild war. So zum Beispiel im Unterricht in anderen Klassen: „Ja so wir haben im Unterricht sehr oft darüber geredet, warum Klimawandel und so - bei Erdkunde. Und dann haben ich denen auch sehr viel erzählt, dass wir dieses Projekt machen, dass man ...“
Auf dem Schulhof jedoch war das Standing für das Thema Regenwald sehr schwierig. „Ich hab das mal ein paar Freundinnen erzählt und die haben erstmal gelacht und dann habe ich denen erstmal alles erklärt, mit den Handys und mit den Medikamenten und so … dann haben die komische Sprüche abgegeben. Aber, wenn die erstmal die Rappe hören und merken, dass Regenwald auch etwas mit Rap zu tun hat … dass man für den Regenwald auch rappen kann, ich glaub, dass die sich dann mehr dafür interessieren, ja.“ Nicht nach den komischen Sprüchen aufzugeben – dies war vermutlich nur durch
den Zusammenhalt der Rapper unter sich und deren gemeinsame Überzeugung, etwas Sinnvolles zu tun, möglich. Eine der Schülerinnen dazu: „Überzeugen – Musik ist so ne Art Schlüssel ne? Und dieser Schlüssel der öffnet dir jede Tür, egal wer das ist.“
13. Selbstwert – es war schön zu sehen: in jedem unserer Projekte gab es Jugendliche, die über sich hinaus wuchsen. Deren Selbstwertgefühl Tag für Tag stieg. Wodurch? Die Projektarbeit ermöglichte es ihnen, Neues auszuprobieren und sich zu wagen – betreut und gefördert durch Menschen, die sie und ihre Fähigkeiten wichtig nahmen. Die Klassengemeinschaft wurde gestärkt, Freundschaften entstanden, … Und so ist es natürlich ein wunderschönes Feedback, wenn Jugendliche im Anschluss sagen: „Mir hat das sehr viel gebracht, ich mein, ich war ja früher auf der Realschule und da war ich – also, erstmal war ich, wie soll man sagen, sehr schüchtern, danach bin ich sitzengeblieben und dann ist die Schüchternheit n bisschen weggegangen aber trotzdem war ich noch schüchtern, da bin ich hier auf die Schule gekommen, hab mich etwas eingelebt und dann, wo ich dann ins Projekt gekommen bin, hat sich irgendwie mein Leben schlagartig geändert, ich hab – wie soll man sagen – ich konnte mehr – besser mit Menschen umgehen, so allgemein. Mir hat das Projekt sehr viel gebracht. So, ich würds auch nie bereuen, dass ich dieses Projekt, dass ich in dieses Projekt reingegangen bin.
14. Weiter machen! Noch eine Freude für uns: viele der Jugendlichen wollen gerne weiter machen. Sich weiter um den Regenwald kümmern, mehr erfahren. "Ja, halt generell über den Regenwald. Es war sehr interessant. Ja und dann kam sofort der Sponsorenlauf und dann ging es irgendwie so langsam zu Ende. Obwohl es noch mehr interessante Sachen halt gab. Also für mich war es sehr interessant und will noch mehr halt erfahren." "Es gibt noch so viel. Ich mein der Regenwald ist halt nicht gerade klein. Der ist ja wirklich riesengroß. Ganz viele Tiere sind ja sogar noch unentdeckt. Ich wollte jetzt auch noch viel entdecken, weil man wirklich sehr viel wissen möchte." "Ja, über Regenwald halt. Über den ganzen Regenwald. Die Menschen. Es sind ja nicht alle, die so leben. Einfach alles, sozusagen." "Wenn wir nämlich alles über den Regenwald wissen, dann ist das noch besser. Dann könnten wir noch mehr machen. Und vielleicht mehr sagen, was gut und was nicht gut ist. Wir wissen jetzt nur das mit dem Papier und den Handys, mit den Bäumen und so was. Mit der Luft irgendwie. Das ist nicht der einzige Regenwald. Es gibt noch jede Menge andere. Jeder ist verschieden. Einfach mal alle so erforschen, statt nur einen."


