In Pflanzen, Pilzen, Bakterien und Tieren finden Forscher Substanzen in einer chemischen Komplexität, die sie in ihren Labors von sich aus - auch mit modernsten Synthesemethoden - niemals würden entwickeln können. In jedem Organismus steckt das Resultat einer jahrmillionenlangen Evolution: ein immenser Pool von Molekülen und Erbanlagen, die die Quelle neuer Arzneien sein können.
Ein Füllhorn voller Wirkstoffe
Schon seit Urzeiten bedienen sich Menschen der Natur, um Beschwerden zu lindern und Erkrankte zu heilen. Zwei Drittel der Weltbevölkerung ist auch heute auf die Naturmedizin angewiesen, da sie sich keine anderen Mittel leisten oder beschaffen können.
Der Regenwald besitzt das Potenzial zu einer gigantischen Naturapotheke: Obwohl er nur noch etwa 7 % der Erdoberfläche bedeckt, beherbergt der Regenwald mehr als 2/3 aller Arten von Pflanzen und Tieren. Und jeder einzelne Organismus enthält Tausende von Substanzen. Tötungsmittel, Betäubungsmittel, Drogen und mehr stehen bereit. Abgelagert im Holz, in der Rinde, den Blättern, Wurzeln und den Samen schützen bioaktive Wirkstoffe ihren Wirt vor dem Aufgefressenwerden.
Für die Mehrzahl der Tiere und für die Menschen sind diese Pflanzenteile ungenießbar bzw. giftig. Trotzdem hat jede Pflanze auch ihre Fressfeinde, denn im Laufe der Evolution finden tierische Organismen immer wieder Anpassungsmöglichkeiten an chemische Abwehrstoffe. Arten, die nicht gefressen werden oder verhungern wollen, müssen sich weiter entwickeln.
Vorbild Natur
Wirkstoffe in Pflanzen dienen heute als Vorbild für moderne chemische Medikamente. Dazu werden die biologisch aktiven Komponenten einzeln isoliert, die chemischen Strukturen bestimmt und in präklinischen Tierstudien und klinischen Versuchen ihre Wirksamkeit getestet. Taugt eine Substanz gegen eine Krankheit, wird eine synthetische Kopie von ihr erstellt und in die Medikamente eingearbeitet. Hier finden Sie Beispiele von tropischen Pflanzen, deren Wirkstoffe in der heutigen Medizin genutzt werden.
Wissen ist überlebenswichtig
Um in dieser extremen Wildnis überhaupt existieren zu können, mussten sich die indigenen Regenwaldvölker mit den Pflanzen und Tieren ihrer Umgebung auseinandersetzen. Ohne die Kenntnis von Nutzen oder Schäden, die von ihnen ausgehen könnten, wären indigene Völker verloren. Über das beste Wissen verfügen die Schamanen, die Medizinmänner eines Stammes. Von Generation zu Generationen unterweisen sie ihre Söhne in den Heilpraktiken.
Viele Indigene Völker leben noch heute in relativer Abgeschiedenheit, die nächsten Krankenhäuser sind oft viele Tagesreisen entfernt. Bei den meisten in den spezifischen Regionen auftretenden Krankheiten ist ein Arztbesuch auch nicht notwendig. Es werden natürliche Wirkstoffe der Pflanzen genutzt. Die pflanzlichen Wirkstoffe werden nicht nur zum Heilen verwendet, auch betäubende und tötende Gifte für die Jagd werden aus Pflanzen und Tieren (Pfeilgiftfröschen) gewonnen.

