Im Grünbuch der EU-Kommission "Hin zu einer europäischen Strategie für Energieversorgungssicherheit" wird das Ziel festgelegt, bis 2020 zwanzig Prozent der konventionellen Kraftstoffe durch alternative Kraftstoffe zu ersetzen. Auch die USA möchten sich mit Hilfe des Biosprits aus der Abhängigkeit vom Öl befreien. Der Energy Policy Act der US-Regierung von 2005 sieht vor, im Kalenderjahr 2012 rund 28 Milliarden Liter Biotreibstoff zu nutzen.
Variante 1: Pflanzenöl
Biodiesel wird aus Pflanzenöl durch einen chemischen Prozess erzeugt, bei dem dessen Esterverbindungen geändert werden. Der Rohstoff für das Öl sind Pflanzen mit einem sehr hohen Ölgehalt in den Samen, wie zum Beispiel die Ölpalme, Raps oder Soja.
Grundsätzlich ist der Gebrauch von nachwachsenden Energieträgern für den Kraftverkehr zu begrüßen. Sie senken die Abhängigkeit vom Erdöl mit all den negativen Folgen und reduzieren den CO2 Ausstoß. Wirklich "Bio" sind die Pflanzenkraftstoffe aber eigentlich nicht. Die Vorsilbe bringt ihnen allein der Umstand ein, dass sie aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugt wurden. Davon abgesehen gedeihen sie in konventioneller Landwirtschaft. Mit Pflanzenschutzmitteln, Gülle und viel Dünger. So fördern sie Bodendegradierung, Grundwasserverunreinigung und Gewässereutrophierung. Das ist der Prozess den man umgangssprachlich als „Umkippen“ eines Sees kennt.
Im Fall der Ölpalme kommt hinzu, dass diese großflächig auf ehemaligen Regenwaldgebieten angebaut wird. Vor allem in Indonesien und Malaysia lässt sich dies deutlich beobachten: Satellitenaufnahmen von Sarawak (Borneo) von 1990 zeigen: noch grüner Regenwald. Elf Jahre später: an der selben Stelle eine Palmölplantage. Wegen der vielen Brandrodungen, vor allem in Indonesien, deren Rauchwolken schon mal bis über Afrika hinaus reichten, fällt das Urteil bedeutender Wissenschaftler über Palmöl vernichtend aus (s.u.).
Prof. Florian Siegert, Uni München: “Wir konnten nachweisen, dass durch das Anlegen dieser Plantagen und das Abbrennen der Regenwälder und Torfgebiete ein viel tausendfaches an CO2 freigesetzt wird als das, was wir hier dann in der Folge durch Palmölverbrauch einsparen können. Und damit ist die Klimabilanz desaströs.“ (in Interview auf www.br-online.de)
Das wesentliche Problem der Form der Energieerzeugung mit Ölpflanzen ist der hohe Verbrauch an agrarischer Nutzfläche. Um den jährlichen Bedarf an Diesel und Heizöl in Deutschland (z.Z. ~ 50 Mio. t/a) mit Biodiesel aus Raps decken zu können, müsste man dafür Raps auf einer Fläche anbauen, die ungefähr fünfmal so groß ist wie die Gesamtfläche von Deutschland. Daneben wird oft vergessen, dass für die Produktion von Biosprit in hohem Maß konventioneller, fossiler Kraftstoff, zum Beispiel für die Herstellung von Dünger und Pflanzenschutzmitteln sowie bei der Verarbeitung der Pflanzen, eingesetzt wird. Nach Schätzungen sind das in Europa 60-80% der Energie die später im Biosprit enthalten ist.
Variante 2: Ethanol
Eine andere Methode zur Produktion von Biosprit basiert auf der Vergärung von stark zuckerhaltigen Pflanzen (z.B. Zuckerrohr/rübe, Mais, Soja) zu Ethanol. Vorreiter bei dieser Produktionsmethode ist Brasilien, das schon zu Zeiten der Ölkrise in den 70er Jahren mit seinem Pro-Alkohol-Programm begann. Auch in den USA wird dem Benzin in den meisten Bundesstaaten heute bereits um 10% Ethanol beigemischt.
Die Produktion der zuckerhaltigen Pflanzen erfolgt in der Regel auf großen Monokulturfeldern oder Plantagen und ist somit ökologisch bedenklich, da der Boden degradiert und das Grundwasser verseucht werden kann. In den Tropen wird darüber hinaus für die Plantagen Regenwald gerodet.
Variante 3: Biomass-to-Liquid
Die neueste Entwicklung, die bisher aber im großtechnischen Maßstab nur in Modellanlagen praktiziert wird, nennt sich Biomass-to-Liquid-Verfahren (BtL). Dabei kann Kraftstoff in einem mehrstufigen Verfahren aus der kompletten, entwässerten Biomasse der Pflanzen produziert werden. Es eignen sich also deutlich mehr Pflanzenarten für diese Anwendung, weil der Öl- bzw. Zuckergehalt weniger interessant ist. Bedeutend ist dagegen die zeitliche Zunahme der Biomasse, also die Wachstumsgeschwindigkeit der Pflanze. Mit der breiteren Palette von potentiell nutzbaren Pflanzen entfallen viele der ökologischen Nachteile des intensiven Monokulturanbaus. Es kann zumindest Fruchtfolgewirtschaft betrieben werden. Da die Pflanzen intensiver genutzt werden, wird beim derzeitigen Stand der Technik zur Produktion der gleichen Menge Biokraftstoffs bei Anwendung des Btl-Verfahrens nur ungefähr die Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche benötigt wie zur Herstellung von Biodiesel aus Pflanzenöl oder Ethanol aus Zucker.
Am interessantesten ist dieses Verfahren jedoch, wenn es mit Abfallprodukten der Landwirtschaft bzw. anderem organischen Müll betrieben wird. Einen großen Nachteil hat die Methode dennoch, da hier bei einem Produktionsschritt, der Fischer-Tropsch-Syntese - dem gleichen Vorgehen wie bei der Kohleverflüssigung - etwa die doppelte Menge an Treibhausgasen frei wird, wie bei der Produktion von herkömmlichem Benzin.
Außerdem stellt sich die Frage, in welchem Umfang Agrarflächen, die ursprünglich ja der Produktion von Lebensmittel dienen, für die Biospritproduktion verwandt werden sollen bzw. dürfen. Besonders deutlich wird dieser Konflikt, wenn Pflanzen in Kraftstoff umgewandelt werden, deren Früchte Grundnahrungsmittel sind. So wird in den USA mittlerweile in großen Stil Ethanol aus Mais hergestellt, was den Maispreis in der Vergangenheit stark in die Höhe getrieben hat. In Mexiko hingegen dient der Mais noch seiner klassischen Bestimmung: Er soll Mägen füllen, nicht Autotanks. Dieser Interessenskonflikt zwischen Verbrauchern reicher und ärmerer Länder droht sich in Zukunft weiter auszudehnen. Mit der Steigerung der Produktion von Biosprit müssen sich die Verbraucher weltweit auf höhere Lebensmittelpreise einstellen.
Plantagen für Biosprit in den Tropen
Mit den steigenden Preisen aufgrund der wachsenden Nachfrage, besonders Europas und der USA, hat sich ein Weltmarkt für Biosprit etabliert.
In der Folge sind in den letzten Jahren, insbesondere in Indonesien, Malaysia, Ecuador, Kolumbien und Kamerun, große Ölpalmenplantagen gepflanzt worden. Allein in Indonesien nehmen Palmölplantagen eine Fläche von über 3 Mio. ha ein und die Regierung plant sie bis 2020 auf 6 Mio. ha auszudehnen. Für die Anlage der Palmplantagen wird oft tropischer Regenwald abgeholzt und so nicht nur Klima schädigendes CO2 freigesetzt, sondern auch ein erheblicher Verlust von Artenvielfalt und anderen wichtigen Tropenwaldfunktionen in Kauf genommen. Aufgrund der rücksichtslosen Produktionsmethoden sind die Preise für Palmöl so niedrig, dass zum Beispiel nahezu alle Betreiber größerer Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke in Deutschland mittlerweile vom heimischen Rapsöl auf billigeres Palmöl als Brennstoff umgestiegen sind. Problematisch ist, dass der Einsatz von Palmöl als nachwachsender Rohstoff den Betreibern die gleichen Subventionen aus der Umlage des Erneuerbaren Energiengesetzes wie Raps einbringt. Wegen fehlender Zertifizierungssiegel ist aber davon auszugehen, dass zumindest ein gewisser Anteil des „nachhaltigen“ Palmöls aus Plantagen stammt zu deren Anlage Tropenwald gerodet wurde.
Auch in Brasilien wachsen die Zuckerrohrplantagen, die hauptsächlich der Herstellung von Ethanol dienen, weiter auf Kosten des Amazonastropenwaldes. Die großen industriellen Monokulturen, die an Stelle des Regenwaldes gepflanzt werden, erfüllen als biologische Wüsten keinerlei soziale, biologische oder klimatische Funktionen mehr. Der massive Einsatz von Pestiziden und Kunstdüngern auf den sehr nährstoffarmen tropischen Böden im regenreichen Klima, verseucht das Grundwasser und die Flüsse und vergiftet die lokale Bevölkerung.
Katastrophal wird die Klimabilanz der so gern CO2-neutral genannten Biokraftstoffe, wenn die Flächen mittels Brandrodung kahl gemacht werden. Es wurde empirisch nachgewiesen, dass durch das Anlegen dieser Plantagen mit zu vorigem Abbrennen der Regenwälder und Torfgebiete ein viel tausendfaches an CO2 freigesetzt wird als das, was wir hier dann in der Folge mit dem Ersatz von fossilen Energieträgern durch Biosprit aus Palmöl einsparen können.

