Papier besteht im Wesentlichen aus natürlicher Fasersubstanz, die aus der Zellulose der Pflanzenzellen gewonnen wird. Die Zellulose ist ein Polysaccharid der Kohlenhydrate und die häufigste organische Verbindung der Welt, aus der fast alle Zellwände von Pflanzen und Hölzern bestehen. Durch die mechanische und chemische Aufbereitung der Pflanzenfasern wird Zellstoff, das Rohprodukt der Papierproduktion, hergestellt. Primärzellstoff für die Papierproduktion wird hauptsächlich aus Holz gewonnen. Die Produktion von Papier aus Bambus, Schilf, Stroh und anderen Pflanzenfasern, und deren verarbeiteten Formen wie Lumpen, ist aber auch möglich. Durch Abschöpfen wird aus dem Zellstoff durch Wasserentzug und Verfilzung, die durch Rütteln am Sieb gefördert wird, Papier gemacht.
Unser Papierkonsum
Knapp 20% der jährlich gerodeten Wälder fällt für die Produktion von Papier. Vom jährlichen globalen Papierverbrauch von 391 Millionen Tonnen (2007) entfallen 71% auf die Industrieländer, die nur 22% der Weltbevölkerung beheimaten. Deutschland verbraucht rund 20,5 Mio. t (2008) Papier und Pappe pro Jahr, was einen Pro Kopf Verbrauch von 250 kg bedeutet. Als viertgrößter Papierkonsument verbraucht Deutschland mehr Papier pro Jahr als Afrika und Südamerika zusammen.
Der Großteil unseres Papiers wird für Wegwerfprodukte wie Verpackungen, Hygieneartikel und kurzlebige Printerzeugnisse verwandt. Darum ist jeder einzelne Verbraucher in der Verantwortung mit Papier möglichst sparsam umzugehen (Rückseiten verwenden, Werbepost verweigern), Recyclingprodukte zu kaufen, sowie die eigenen Papierabfälle für die Altpapierverwertung zu sammeln.
Recyclingpapier
Die Ökobilanz von Recyclingpapier ist aus zwei Gründen besser als die von Primärpapier. Zum einen wird Holz gespart und damit Bäume und Wälder erhalten. Zum anderen entfällt das Herauslösen der Fasern aus dem stabilen Holzverbund, ein sehr Energiekosten intensiver Prozess, sowie das chemische Bleichen. Vereinfacht betrachtet muss man Altpapier nur einweichen und von den Fremdstoffen wie Farbstoffen reinigen, um Sekundärzellstoff zu erhalten. So benötigt man zur Herstellung von Recyclingpapier im Vergleich zur Produktion von Primärpapier nur etwa ein Drittel des Wassers und die Hälfte der Energie. Trotz alledem ist das Bild des Recyclingkreislaufes ein wenig verzerrt, weil zur Herstellung von 1kg 100% Recyclingpapiers 1,16kg Altpapier gebraucht werden. Auch sind bei manchen Papiersorten, insofern man keine Einbussen bei Festigkeit und Weiße hinnehmen kann oder will, mit heutiger Technik nur geringere Sekundärzellstoffanteile möglich sind. Es ist also bei gleichbleibendem Bedarf stets auch Primärzellstoff erforderlich, so dass der Recyclingkreislauf nicht als geschlossenes System, wie zum Beispiel ein natürliches Ökosystem im Gleichgewicht gesehen werden kann. Gekennzeichnet wird 100% Recyclingpapier mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ oder dem Aufdruck 100% Altpapier, der ab einer Quote von 80% benutzt werden darf.
Altpapierquoten
In Deutschland wird der Gesamtaltpapieranteil meist mit 65% angegeben. Er setzt sich aus den verschiedenen Altpapieranteilen der unterschiedlichen Papiersorten zusammen. Bei Verpackungen liegt der Anteil bei 96% bei Zeitungen bei 100% und damit sind dort die Möglichkeiten fast erschöpft. Auch bei Hygienepapieren liegt der Anteil bei hohen 83%. Dieser Wert wird aber durch Großverbraucher stark angehoben - im Privatverbrauch liegt der Wert deutlich niedriger. In diesem Bereich ist die Nutzung des vorhandenen Potentials von besonderer Bedeutung, da Hygienepapiere nach Gebrauch nicht dem Altpapier zugeführt werden können. Auch bei den restlichen graphischen Papiersorten und Spezialpapieren, die beide einen durchschnittlichen Altpapieranteil von knapp 40% haben, sind Steigerungen möglich.
Wichtig ist zu beachten, dass sich all diese gängigen Werte auf den Altpapieranteil für in Deutschland hergestelltes Papier beziehen. Nimmt man den Verbrauch importierter Papierprodukte, die über die Hälfte des Gesamtverbrauchs ausmachen, hinzu, fallen die Altpapierquoten für den Gesamtverbrauch in Deutschland deutlich niedriger aus. Sie liegt dann nur noch bei 46%, da die Importpapiere nur einen durchschnittlichen Altpapieranteil von 32% haben.
Links:
Mehr zum Fußabdruck unseres Papierverbrauchs in der Welt lesen Sie hier.
Hier erfahren Sie, wie der indonesische Urwald im Kopierer und der brasilianische Regenwald in der Toilette landet.
Hier gibt es Unterrichtsmaterialien zum Thema "Papier" zum Downloaden.

