Indonesischer Urwald im Kopierer
In Indonesien zum Beispiel haben die Konzerne APP (Asia Pulp & Paper) und APRIL (Asia Pacific International Holdings Ltd.) in den letzten zwei Jahrzehnten Papier- und Zellstofffabriken mit jährlichen Produktionsvolumen im Millionentonnenbereich errichtet. Plantagen können diesen Rohstoffbedarf nur zu geringem Anteil decken. So hat Indonesien mit 30.000 bis 35.000 km² die höchste Entwaldungsrate der Welt, wobei der Einschlag zu großem Teil illegal erfolgt. So sind allein dem Konzern APP inzwischen über 300.000 Hektar Regenwald zum Opfer gefallen. Durch illegale Aneignungen des Landes durch den Konzern entstanden Landkonflikte mit der Bevölkerung, die zum Teil mit brutaler Gewalt beendet wurden. Der Einsatz chlorhaltiger Verbindungen beim Bleichen (ECF-Verfahren) und veralteter Technik in den Zellstofffabriken führt zu starken Abwasserverunreinigungen, die die Fischbestände und die Gesundheit der Bevölkerung gefährden. Auch wenn Indonesien als direkter Lieferant für Papier und Zellstoff nach Deutschland nur eine marginale Rolle spielt, kommt indonesischer Zellstoff durch die transnational operierenden Konzerne APP und APRIL über Umwege zu uns. Man kann es in Deutschland in Form von Druck- und Kopierpapier der Konzerne Papier Union und Schaefer Shop erwerben.
Brasilianischer Regenwald in der Toilette
Der Konzern Aracruz in Brasilien und seine Tochter und Partnerunternehmen produzieren Zellstoff aus Eukalyptusholz, das auf riesigen Plantagen angebaut wird. Um Platz für die Plantagen zu Schaffen werden große Primärwaldflächen gerodet oder Ackerflächen umgewandelt. Dabei missachtet Aracruz konsequent sowohl die Rechte der indigenen Bevölkerung, als auch die der Kleinbauern und Quilombolas (den Nachkommen der Sklaven). Arbeitsplätze werden durch Aracruz – entgegen der eigenen Firmenangaben - nur in geringem Umfang geschaffen und stehen in keinem Verhältnis zum Flächenverbrauch der Plantagen. Auch die gesundheitliche und soziale Absicherung liegt dem Unternehmen nur in ihren offiziellen Stellungnahmen am Herzen. De facto wird zum Beispiel immer wieder Arbeitnehmern nach Arbeitsunfällen oder aufgrund von Gesundheitsschäden, die auf die schlechten Verhältnisse am Arbeitsplatz zurückzuführen sind, gekündigt statt, dass der Konzern sich um ihre Pflege sorgt oder ihnen Entschädigungen gezahlt werden.
Neben den Chlorverbindungen aus den Zellstofffabriken - auch Aracruz verzichtet auf moderne Technik und chlorfreie Zellstoffproduktion - werden die Wasserressourcen durch die auf den Plantagen eingesetzten Herbizide und Pestizide verseucht. Durch die Wasserverknappung wird die Schadstoffkonzentration im Wasser zusätzlich erhöht. Das hat natürlich fatale Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und der Natur.
Die Hauptabnehmer des gebleichten Eukalyptuszellstoffs mit 45% des Gesamtproduktionsvolumens von Aracruz sind die Konzerne Procter & Gamble und Kimberly & Clark. Deren in Deutschland bekannteste Produkte sind die Hygienepapiere Tempo bzw. Charmin.
Es macht jedoch wenig Sinn die verschiedenen, nicht nachhaltigen Formen der Zellstoffgewinnung gegeneinander nach dem Prinzip „mehr oder weniger schlimm“ aufzurechnen. Der Papierhunger heizt die Zellstoffnachfrage ständig an und fördert so Raubbau und Plantagenwirtschaft, da der globale Papierbedarf mit Primärfasern längst nicht mehr nachhaltig gedeckt werden kann. Der hohe Pro-Kopf-Verbrauch an Zellstoff der industrialisierten Welt ist als globaler Maßstab für die stark wachsende Weltnachfrage nicht tragbar. Darum lautet unsere Forderung: Papierverbrauch reduzieren und maximale Recyclingquoten umsetzten.

