Soja, eine der wichtigsten Nutzpflanzen der Welt, ist eine Hülsenfrucht, genauer ein Schmetterlingsblütengewächs. Ihr Aussehen und Wachstum ähnelt sehr dem unserer heimischen Buschbohne. Obwohl sie in China schon seit über 5000 Jahren angebaut wird, kam sie erst im 17. und 18. Jahrhundert auf die anderen Kontinente. Seinen Siegeszug als Weltwirtschaftspflanze (cash crop) trat Soja erst nach dem 2. Weltkrieg als Öllieferant für die Margarineherstellung und bald darauf in der industriellen Nahrungsmittelproduktion an. Heute sind die wichtigsten Anbauländer USA, Brasilien, Argentinien, China und Indien. Darüber hinaus haben ihr ihre hohen Hektarerträge zum Erfolg verholfen.
Am besten gedeiht Soja in seinen tropischen und subtropischen Heimatbreiten, da es sich um eine Kurztagpflanze handelt. Das heißt, dass sie kurze Tageslängen zum Bilden der Blüten braucht, was in den Tropen ganzjährig der Fall ist. In den niederen Breiten mit wechselnden Tageslängen und somit längeren Sommertagen beginnen tropische Kurztagpflanzen erst zu blühen, wenn die Tage im Spätsommer wieder kürzer als 12 Stunden werden. Weil der Zeitraum zur Fruchtbildung dann recht kurz ist, versucht man durch Züchtungen Pflanzen zu bekommen, die schon früher blühen. Bei Soja ist die Züchtung aber noch nicht so weit fortgeschritten wie zum Beispiel bei Tomaten oder Paprika, von denen es Sorten gibt, die noch deutlich weiter entfernt vom Äquator reifen.
Die Sojabohne ist die bedeutendste Öl- und Eiweißpflanze weltweit und vielfältig einsetzbar. Der Eiweißanteil der Bohnen beträgt 39% und der Ölgehalt - für Bohnen ungewöhnlich hohe bis 17%. Darüber hinaus gehört Soja zweifellos zu den gesündesten und vielseitigsten Nahrungsmitteln überhaupt. Das Eiweiß der Sojabohne ist in Kombination mit Getreide hochwertig und kann tierisches Eiweiß ersetzen. Soja weist ein hochwertiges Fettsäurespektrum, einen hohen Mineralstoffgehalt, besonders an Kalium, Magnesium, Eisen und Zink auf und ist gluten-, laktose- und cholesterinfrei. Zudem kann mit keiner anderen landwirtschaftlichen Kultur ein solch hoher Flächenertrag an Eiweiß produziert werden, wie mit Soja. Deswegen wird die Bedeutung der Sojabohne zur Ernährung der Menschheit auch weiterhin zunehmen.
Wegen seiner erstaunlich vielseitigen Verwendungsmöglichkeiten ist Soja in über 25.000 Produkten zu finden - nicht nur in Form von Tofu, Sojamilch, Sojaöl und anderen vegetarischen Lebensmitteln, sondern auch in Backpulver, Schokocremes, Speiseeis und sogar in Dispersionsfarbe.
In fast allen industriell hergestellten Nahrungsmitteln ist heutzutage Soja, meist in Form von Sojaöl/fett, enthalten. Deswegen wird bei einem Großteil der Sojaernte zuerst das Öl extrahiert. Der Rest, der sogenannte Sojakuchen, wird im Wesentlichen als Futtermittel eingesetzt. Seit dem Verfütterungsverbot von Tiermehl in der EU nach der BSE-Krise hat sich die Nachfrage in diesem Bereich deutlich verschärft.
Daran trägt vor allem unser hoher Fleischkonsum Schuld, besonders wenn man bedenkt, dass bei der Veredelung von Soja zu Fleisch durch Verfütterung der Nährstoffertrag auf ungefähr 1/10 abnimmt. Man braucht also ungefähr zehn Portionen Soja, um eine gleichwertige Portion Fleisch herzustellen. Zur Ernährung der Welt wäre es demnach wesentlich effektiver, pflanzliches Eiweiß und nicht tierisches zu essen. Deshalb sind es besonders die Verbraucher in den Industriestaaten, die Einfluss auf die Sojaproduktion und damit auf den Fortbestand des Tropenwalds haben.
Soja statt Regenwald? Hier erfahren Sie mehr zu diesem Thema.
Link:
Soja statt Regenwald? Hier erfahren Sie mehr zur Brisanz des Themas.
Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema "Soja".

