Soja statt Regenwald?

Zum Beispiel Brasilien

Brasilien ist nach den USA der zweitgrößte Sojalieferant weltweit, so dass Soja das zweitwichtigste Exportgut Brasiliens nach Eisenerz ist. Die Anbaufläche betrug 2006 21,9 Mio. ha. Die Europäische Union dagegen ist als Abnehmer von 60-70  Prozent der brasilianischen Sojabohnen und -produkte der größte Importeur.

In den letzten Jahren wurde der Anbau von Soja besonders im süd-westlichen Amazonasbecken bedeutend ausgedehnt. Auf Satellitenbildern kann man deutlich sehen, dass sich die riesigen Anbaugebiete, besonders im Bundesstaat Mato Grosso, um viele Kilometer nach Norden in den Amzonaswald hineingefressen haben.
Die Konsequenz ist, dass in den letzten Jahren die Großgrundbesitzer des Sojaanbaus beim „Wettstreit um die höchsten Rodungsraten“ die Großgrundbesitzer mit Viehbestand deutlich überholt haben.

Die Kuh ist der größte Feind des Jaguars?

Das Soja aus Brasilien landet zu einem großen Teil als Zufutter in der europäischen Viehzucht, wo es Schweinen und Geflügel verabreicht wird. Für unseren hohen Fleischkonsum stirbt also der Regenwald: allein 2003 ist er in Brasilien um weitere 2 375 000 Hektar geschrunpft.

Viele der von der brasilianischen Regierung geplanten Infrastrukturmaßnahmen im Amazonasgebiet werden mit dem Boom der Sojaproduktion im Nordwesten Brasiliens in den letzten Jahren gerechtfertigt. Da der Transport der enormen Mengen von Soja per LKW über 1500km bis 3000km unasphaltierte Piste zu den südlichen Häfen unbequem und teuer ist und es zur Erntezeit regelmäßig zu Schlangen von Hunderten Kilometern  kam, beschloss die brasilianische Regierung den Bau einer neuen, asphaltierten Straße quer durch den Amazonas. Sie soll von Cuiabá (der Hauptstadt Mato Grossos) im Süden zum Tiefwasserbinnenhafen von Santarem am Amazonas im Bundesstaat Pará. Die Straße erleichtert den Betrieb der Plantagen - und erschließt zugleich weitere Gebiete für den Holzeinschlag und neue Plantagen. Das Zerschneiden und Schrumpfen der noch intakten Tropenwaldflächen ist eine Nebenfolge, die dem Ökosystem Amazonasregenwald schwer zu schaffen macht.

Erste Erfolge

Doch es gibt auch Positives zu berichten: Im Sommer 2006 stimmten der US-Amerikanische Fütterhändler Cargill und andere großen Sojahändler Brasiliens einem Zweijahresmoratorium zu. Sie verpflichteten sich, zwei Jahre lang keine Sojabohnen von Anbauflächen auf Brandrodungsböden anzukaufen. Jetzt gilt es, das Moratorium zu überwachen und es dauerhaft zum Schutz des Amazonas-Urwaldes zu verankern.

Was kann jeder Einzelne tun?

Sind wir Opfer oder Täter? Wer trägt am meisten Verantwortung für Umweltzerstörung und Sozialdumping? Die Industrie? Die Polititk?
Falsch: Die Konsumenten.
Denn Geiz ist gar nicht geil. Der Hoffnungsschimmer: Jeder kann etwas für den Erhalt der Regenwälder tun - durch ein anderes Konsumverhalten.

In Bezug auf die Abholzung der Amazonas-Regenwälder für Soja-Monokulturen heißt das:

  • Setzen Sie bei Fleisch auf Qualität statt auf Masse. Bio-Bauern verfüttern kein Soja aus Regenwäldern, sondern bauen ihre Futtermittel selbst an bzw. beziehen sie aus der Region.
  • Essen Sie weniger Fleisch. Regelmäßig Gemüsegerichte zu essen, ist zudem gesund!
Riesige Soja-Monokulturen fressen sich in den Amazonas-Regenwald.